Erschwerte Kindsentwicklung bei Sectio KSW

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Das geburtsmechanische Problem ist die zephale Dystokie, welche dadurch entsteht, dass der Kopf bereits tief ins Becken eingetreten ist. Es ist nicht mehr möglich die Hand zwischen den kindlichen Kopf und die Symphyse zu bringen, um den Kopf zu luxieren.

Inzidenz: 1:10 II° Sectios (1.5% aller Geburten)

Risikofaktoren:

  • Protrahierte Geburt, Geburtsstillstand in der AP, dorsoanteriorer /-posteriorer Gradstand, fetale Makrosomie, tiefe kindliche Leitstelle, Fehleinstellung, abgebrochene Vakuumgeburt, langes Intervall zwischen Sectioindikation und Sectiobeginn

Maternale Risiken:

  • Riss in die Parametrien und Zervix
  • Erhöhter Blutverlust

Kindlich Risiken:

  • Frakturen Schädel, Wirbelsäule, Clavicula, Arm
  • Intrakranielle Hämatome
  • Plexusparese
  • Schwere Asphyxie
  • Eilige Stufe I (EE-Zeit ≤ 45 Min)
  • Neonatologie informieren
  • Kindliche Lage bekannt durch präoperative Sonographie
  • Lagerung: Beine gespreizt
  • Gynipralbolus zur Akut-Tokolyse bereithalten
  • Vaginale Untersuchung unmittelbar vor Desinfektion. Kopf noch abschiebbar?
  • Ansage bei team-time-out über
    • mögliche zu erwartende schwierige Kindsentwicklung (Akut-Tokolyse parat? Assistenz bereit für potentiell reverse breech? Hebamme parat für Push-Methode?)
    • mögliche verstärkte Hämorrhagie wegen Atonie oder Rissverletzung
    • Kiwi parat?

Falls regelmässige Kontraktionen: 2ml Gynipral-Lösung (8ml NaCl 0.9% + 2ml Gynipral 5 ug/ml) bei Hautschnitt

Uterotomie 2-4 cm höher als üblich wegen stark ausgezogenem unteren Uterinsegment, Zug an den kindlichen Schultern nach oben zur Luxation des Kopfes, Kopf aus dem geraden Durchmesser in den queren Durchmesser bringen, Hinterhaupt auf die Seite des kindlichen Rückens, flektierter Kopf (rückwärts ablaufende Geburtsmechanik

Entwicklung aus umgekehrter Steisslage nach Patwardhan

  1. Kind in DORSOPOST. Lage: Zuerst Arme, dann Beine, mit kranialem Zug der oberen Uterotomiehälfte durch Assistenz.

Dann Steiss durch Zug an beiden Beinen (in Tuch gewickelt), dann restlicher Rumpf, zuletzt der Kopf über rückwärts ablaufende Geburtsmechanik

  1.  
  2. Kind in DORSOANT. Lage: Zuerst vorderer Arm und Schulter und Versuch Kind in dorsoposteriore Lage zu drehen (oder zumindest I./II. SL). Falls frustran, dann zweiter Arm und Schulter, Zeigefinger bds. unter die Hüften, ggf. Erweiterung der Uterotomie Entwicklung von Rumpf und SteissBeineKopf über rückwärts ablaufende Geburtsmechanik

Push- and Pullmethode (vaginal disimpaction)

nur wenn o.g. Verfahren versagt hat, da zusätzliche Druckkräfte zusätzliche Verletzungsrisiken bergen, sowie höheres Infektrisiko

Wichtig: Vakuum zuerst lösen durch Spreizung der Vaginalwände. Eingehen mit der ganzen Hand (nicht nur mit 1 oder 2 Fingern, hier mehr Schädelverletzungen) in die Vagina oder alternativ mit einer Silikonkappe

Wichtig:

  • Team informieren, dass erschwerte Kindsentwicklung aufgrund impaktierten Kopfes
  • Klare Anweisungen an alle involvierten: Anästhesie soll Zeit seit Uterotomie laut aussprechen

Ungeeignet und gefährlich bei impaktiertem Kopf: Zangenblatt (maternale Rissverletzung, kindliches Trauma) oder Kiwi, da der flection point nicht erreicht wird.

Sectio bei hoch „flottierendem“ Kopf

  1. Vakuumglocke. Wichtig: Auf flection point platzieren. Cave:Schaumkissen aus dem inneren der Glocke darf nicht intraabdominal verbleiben!
  2. Innere Wendung auf den Steiss mit anschliessender Extraktion: Zug am vorderen Fuss (inneren Hand) und gleichzeitige Hochschieben des Kopfes (äussere Hand)

Patwardhan BD, Motashaw ND (1957) Caesarean Section, J Obstet Gynecol India

Pradip et al (2014), Second stage caesarean section: evaluation of Patwardhan Technique, J Clin Diagn Research

Zimmermann R (2015) Schwierige Kindsentwicklung bei der Sectio, Der Gynäkologe

Cornthwaite K et al (2023) Management of impacted fetal head at caesarean birth Scientific Impact Paper No. 73, BJOG

Autorenschaft: L. Perotto
Autorisiert: L. Sultan-Beyer
KSW-Version: 1.0, 01/2026